Muslimische Frauen in Ganzkörperschleiern sollen in Frankreich nicht mehr Bus und Bahn fahren dürfen. Eine parteiübergreifende Parlamentskommission empfahl am Dienstag nach sechsmonatiger Arbeit ein vollständiges Verschleierungsverbot in öffentlichen Einrichtungen.
Wir leben in einer aufgeklärten Welt. Wir – das ist die westliche Welt – ist fortgeschritten, modern, entwickelt, kultiviert. Wir sind erfolgreich. Wir wollen dem Volk in Afghanistan Demokratie und Menschenrechte bringen.
Die Burka – das ist eine Kleidung, die den Körper einer Frau komplett verdeckt und nur einen kleinen Spalt zum durchgucken lässt, existiert seit mindestens 1486 (wikipedia.de). Es handelt sich also ganz klar um ein kulturelles Gut bzw. Erbe einer Gesellschaft. Sie soll verhindern, dass Frauen öffentlich für Männer sexuell attraktiv sind, da die Religion es vorschreibt, dass ein Mann keine andere Frau als seine Ehepartnerin zu begehren hat. Somit ist ganz klar: die Frauen dürfen keine Haut in der Öffentlichkeit zeigen. Das ganze führt also dazu, dass es keine Freizügigkeit und “Anmachen” geben soll. Warum auch? Die Ehepartner werden in konservativen Kreisen sowieso von den Eltern ausgesucht. Da wäre es ehr negativ, wenn die Frau “feizügig” in der Öffentlichkeit wäre; Das wäre schändlich für die Ehre.
Wir dagegen wissen es besser: Wir haben die Aufklärung hinter uns. Wir alle haben uns von unserer selbstverschuldete Unmündigkeit befreit! (Immanuel Kant). Für uns ist klar: Alle Menschen sind gleich, also darf man Frauen nicht vorschreiben, was sie zu tragen haben und wie sie sich zu zeigen haben. Die Männer müssen ja auch nicht verschleiert rumlaufen… Versteht mich jetzt bitte nicht falsch, ich wäre sehr enttäuscht, wenn meine Freundin anfangen würde eine Burka zu tragen ….
Wir haben nicht nur die Aufklärung des 17./18. Jahrhunderts hinter uns – NEIN wir haben auch die sexuelle Aufklärung hinter uns. Frauen haben mithilfe von Verhütungsmitteln wie der Pille die Möglichkeit selbst zu entscheiden ob sie schwanger werden wollen oder nicht. Sie wurden also sexuell frei. Eine tolle Sache, denn es bedeutet Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau – zumindest auf diesem einen Gebiet.
Das ganze zieht natürlich weitreichende Folgen mit sich. Man muss nicht mehr heiraten um Sex zu haben. Früher war das noch nötig (glaube ich mal…), denn wenn eine Frau unehelich Schwanger wurde und hatte keinen Mann, bedeutete das, dass sie keine wirtschaftliche Stütze hat. Sie kann ja nicht Geld verdienen UND das Kind aufziehen. Ehe bedeutete damals also soziale Sicherheit und Sex war nur innerhalb dieses Sicherheitsrahmens möglich.
Schon lange ist Sex keine reine Reproduktion mehr, sondern Spaß, soziale Interaktion, ja für manche vielleicht sogar ein Hobby. Ich möchte das auch garnicht anprangern, sondern ich möchte nur den Unterschied klar machen, den es zwischen den Burka-Gesellschaften (Afghanistan, Teile Pakistans und Indiens) und der Westlichen gibt.
Durch diese Veränderung in der sexuellen Umgestaltung der Gesellschaft sowie noch vielen anderen Einflüssen (wie z.B. Medien) entsteht aber ein Frauenbild, dass (so finde ich) weniger etwas mit gleichberechtigten Rollen zu tun hat. Zumindest wird es einem so suggeriert.
Sehen wir in der Werbung Frauen die so aussehen wie im “echten Leben”? Sehen wir Menschen die so sind wie wir? Die Werbung zeigt uns perfekte Menschen. Die Werbung zeigt uns, dass wir unzufrieden mit uns sein sollen und dass wir gefälligst das Produkt erwerben sollen, um besser zu sein als andere. Ich ziele jetzt vor allem auf die Beauty- und Textil-Industrie ab. Natürlich funktioniert nur so Werbung, dazu ist ja Werbung da, um einem ein Produkt schmackhaft zu machen.
Aber wenn es um den Körper oder das aussehen geht, dann ist das kritisch. Wenn man kein super-Auto hat, dann ist das ok… wenn man aber “scheiße” aussieht, dann ist man das selbst, der kritisiert wird. Man selbst als Person, kein Gegenstand, nein, der Körper. Vielleicht wird dadurch auch der Körper immer mehr zum Gegenstand.
[...]Demnach wurde bei 28,9 Prozent der elf- bis 17-jährigen Mädchen Essstörungen und Krankheiten wie Magersucht, Ess-Brech-Sucht oder Fettsucht diagnostiziert. Bei Jungen im gleichen Alter sind es immerhin noch 15,2 Prozent. Im Alter von drei bis 17 Jahren sind insgesamt 15 Prozent der Kinder übergewichtig. Der Anteil von Auffälligkeiten ist bei Jugendlichen aus sozial benachteiligten Familien mit 27,6 Prozent fast doppelt so hoch wie bei Altersgenossen aus der “oberen Sozialschicht” (15,5 Prozent).
via Tagesschau.de; vgl. dazu Statista
Kein Wunder, dass ein so großer Anteil an Heranwachsenden Probleme damit hat, mit seinem Aussehen zurecht zu kommen. Wir werden mehr oder weniger zu freizügigen Menschen erzogen – oder wachsen zumindest in einer Gesellschaft auf, die freizügiger ist als sie mal war. Das liegt weniger an den Eltern (so denke ich), sondern an der Umwelt, also an anderen Menschen denen man auf der Straße begegnet, Fernsehsendungen, Werbeplakate und Werbesendungen.
Das spiegelt sich dann z.B. in den Vorstellungen von Jugns zwischen 11 und 17 Jahren wieder, die am häufigsten angegeben haben, dass sie sich ihre Traumfrau als “hübsch und attraktiv” definieren (statista). Für manche Jugendliche wird unbewusst ein so großer Druck ausgeübt, dass sie extrem unzufrieden mit ihrem Körper sind, was dann leider zu Magersucht führen kann und sogar mit dem Tod enden kann. Tendenz der Todesfälle durch Magersucht zwischen ‘98 und 2007 tendenziell gestiegen (statista).
Neben gutem Aussehen gehört auch guter Sex zu einem erfüllten Leben (sagen 54% laut statista), das bekommt auch jeder Jugendliche eingetrichtert, spätestens seit den Folgen von “Sex and the City”, in der man vorgesetzt bekommt, dass man glücklich ist, wenn man sich durch das Leben vögelt (Samata) und auf der anderen Seite gestresst und unglücklich ist, wenn man der Familenmensch ist, der weniger Zeit für viel Sex hat (Miranda). Durch das degradierende Frauenbild ist zu beobachten, Jugendliche immer öfters eine Beziehung ohne Liebe (siehe Stern.de – “voll Porno!”) führen, weil sie nicht mehr “richtig” vorgelebt bekommen, dass eine Beziehung auch etwas mit Liebe zu tun hat und nicht nur mit Sex und Rummachen.
Ich fasse zusammen: Durch die sexuelle Revolution wurde die Frau zwar unabhängiger, was das gebären von Kindern und somit ihre Lebensgestaltung angeht, aber wurde dafür mehr oder weniger zum Sexobjekt degradiert, das perfekt gestylt, schlank und gut aussehend sein muss. (Das ist jetzt natürlich extrem dargestellt, aber man kann es nicht gänzlich bestreiten).
Die Burka degradiert die Frau in den Augen eines Menschenrechtlers (und in den meinen) auch – Dafür gibt sie aber der Trägerin eine wertvolle Freiheit: Sie selbst zu sein. Sie muss sich nicht morgends lange im Bad aufhalten und sie aufwendig schminken – “Einfache” Körperpflege (so wie sie die meisten Männer in unserer Gesellschaft praktizieren; ich meine damit einfach “Duschen, Zähne putzen, waschen usw…”) reicht vollkommen aus. Wenn sie auf die Straße gehen müssen sie sich überhaupt keine Gedanken machen, was andere Männer über sie denken, wenn sie sie ansehen. Die Frau wird hier einfach pauschalisiert als “Frau”. Es ist egal ob sie moppelig oder supersexy und schlank ist. Man sieht es einfach nicht als attraktiv oder unattraktiv, sondern einfach als Frau.
Ich kann jetzt nicht schreiben, dass es eine gute Sache ist, wenn jeder eine Burka trägt. Dieser Ansicht bin ich nicht. Aber ich kann definitiv sagen, dass ich es verstehe, wenn Leute aus “Burka-Gesellschaften” eine Gewisse Angst empfinden, wenn die Frauen keine Burka mehr tragen. Denn diese “konservativen” Menschen sehen was für negative Folgen die Freizügigkeit haben kann. In meinen Augen überwiegen die Vorteile keine Burka zu tragen, aber das liegt nur daran, dass ich es nicht anders kenne. Wäre ich in Afghanistan aufgewachsen würde es mir nicht komisch vorkommen, wenn ich eine Frau in einer Burka sehen würde – Es wäre normal!
Das beiden größten Mankos, die ich bei der Burka sehe sind
- Warum tragen Männer keine Burkas? Männer können schließlich genau so attraktiv auf Frauen wirken wie umgekehrt (z.B. Clooney)?
- Frauen werden (so denke ich) häufig dazu gezwungen eine Burka zu tragen
Ich kann kein Fazit ziehen, das für oder gegen die Burka spricht.
Ich fände es aber nicht gut, wenn alle Frauen hier in Burkas rumlaufen würden.
Oder tue ich das nur, weil ich so erzogen wurde?
Kommentar vom Autor
Ich hoffe ich habe niemanden provoziert aber vor allem hoffe ich, dass ihr kein Falsches Bild von mir erhaltet. Auf keinen Fall ist die Burka eine Lösung gegen die sexuelle Degradierung der Frau. Allerdings sollte man sie akzeptieren, wenn sie von Frauen freiwillig getragen wird. Ich würde mich sehr über Kommentare freuen.
Medien
Die Burka existier seit mindestens 1486:
Links
- Wikipedia zur Burka
- Wikipedia zur Sexuellen Aufklärung/Revolution
- Frankreich und der Burka-Verbot
- Stern.de – “Voll Porno!”
- Studie auf Tagesschau.de – “
- Fast jedes drittes Mädchen leidet unter Essstörungen”
- BerlinKontor – “Burka-Verbot auch in Deutschland?”
- community.augsburger-allgemeine.de – “Burka für den Mann”
- Freigeisterhaus – “Kommision für Burka-Verbot”
- Mädchenmannschaft.net – “Feminismus hinter der Burka”











7 responses so far ↓
1 Rahab, Kana'an
// Feb 8, 2010 at 11:03 am
gefällt mir! obwohl natürlich noch viel mehr zur burka zu sagen wäre. und zu den verhältnissen von öffentlichkeit, körper und sexualität/erotik und fortpflanzung und kontrolle.
aber das ist ja immer so.
2 inge
// Feb 8, 2010 at 11:48 am
Tatsächlich geht es uns nichts an, was diese Leute in ihren HEimatländern tragen. Wenn sie es hier tragen, ist das eine Botschaft: Wir kindern euch weg – und zwingen euch dann unsere Regeln auf. In Malaysia sind schon Yoga und die traditionellen Tänze verboten, weil der alte Islamist bei allem an Sex denken muss.
3 Maggy
// Feb 9, 2010 at 1:22 am
Alles ein sehr schweres Thema
Wenn ich weiß, dass die Frau ihre Burka aus eigener Überzeugung trägt, dann ist das okay für mich. Wird sie allerdings dazu gezwungen, finde ich dieses Gefängnis etwas schreckliches.
Gleichzeitig bin ich sehr über den Stern-Artikel total schockiert.
Für uns in den westlichen Ländern wäre zu sagen: Man muss stark sein und darf der Werbung nicht alles glauben. Wenn ich morgens aus dem Haus gehe habe ich mich auch gewaschen und gekämmt und fühle mich so wohl..dafür habe ich mich nicht stundenlang geschminkt und musste mir keinen Minirock anziehen.
Ich habe auch das Glück, dass ich einen Mann gefunden habe, der mich so liebt, wie ich aussehe
4 Maedchenmannschaft » Blog Archive » Gewalt gegen Frauen in allen Sphären, Gedanken zu Blackberrys und Burkas // Feb 13, 2010 at 10:18 pm
[...] mal einen klugen, reflektierten und ausführlichen Text zum Thema Frauenkörper in der westlichen Welt und die Burka lesen will, sollte das Blog 3 Bewohner [...]
5 CHR
// Feb 14, 2010 at 5:49 am
Ich bin grundsätzlich überzeugt, dass eine differenzierte Perspektive, wie in diesem Post dargestellt, wesentlich vorteilhafter ist, als manch ‘doktrinäre’.
Einen Gedankengang kann ich allerdings nicht ganz nachvollziehen. Anlass ist folgender Abschnitt:
“Das spiegelt sich dann z.B. in den Vorstellungen von Jugns zwischen 11 und 17 Jahren wieder, die am häufigsten angegeben haben, dass sie sich ihre Traumfrau als “hübsch und attraktiv” definieren (statista). ”
Hier, so finde ich, verflacht das Argument um einiges. ‘Schönheit und Attraktivität’ waren, wenn wir nur einmal die bildenden Künste oder auch die Literatur zum Beispiel nehmen, schon seit weit längerer Zeit als hier impliziert Teil menschlicher Kultur. Die Begriffe waren spezifisch anders belegt und qualitativ an anderen als heutigen Merkmalen orientiert. Jedoch kann ich nicht ganz nachvollziehen, warum solche Ideale weniger verheerend gewesen sein sollen.
Der Sinn des Posts ist doch, die unterschiedlichen Frauenbilder und -vorstellungen gegenüber zu stellen, doch brechen hier die Begrifflichkeiten auf.
Das heutige Frauenbild wird als Reduzierung der Frau zum Sexualobjekt aus meiner Sicht kein alleiniges Argument sein können. Dies schlicht, weil Frauen nicht erst seit modernen Zeiten Sexualojekte sind; lediglich die qualitative Anforderung an ihre Attraktivität hat sich geändert.
Mit Sicherheit kann man spezifische Merkmale des heutigen (westlichen) Frauenbildes darlegen, welche nicht zwingend nur von der herausragenden Befreiung erzählen, wie es plump oftmals angenommen wird. Die Schönheit allein kann es aber nicht sein, ebensowenig die Attraktivität.
6 James T. Kirk
// Feb 15, 2010 at 4:14 pm
Kannst Du Dir denn vorstellen, daß die Burka als solche und auch das Kopftuch ein Symbol der Unterdrückung der Frau sind und nichts anderes. Wenn es nur eine Mode wäre und die Frauen problemlos auch mal ohne rumlaufen könnten, wäre es okay.
Ich frage mich, warum hier im Westen solch eine Ignoranz, Naivität und emotionale Blindheit herrschen und das Offensichtlichste nicht zur Kenntnis genommen wird.
Mithilfe von relativistischen Pseudo-Argumentationen, wie ich sie auch in diesem Artikel sehe.
Für einen emotional halbwegs gesunden Menschen ist es keine Frage, daß sowohl die Burka als auch das Kopftuch menschenverachtend sind.
Wenn man sich vorstellt, die Burka sei nur eine Mode und Frauen würden auch mal ohne rumlaufen, merkt man sofort, wie lächerlich das Ganze ist. Man stelle sich das mal vor.
Allein hier zeigt sich schon der repressive Charakter der Burka und des Kopftuchs.
Noch einmal: Ich frage mich, wie man so blind sein kann hier im Westen. Stichwort “Toleranz”, linke Ideologie, Multikotzi usw.
Warum laufen eigentlich Muslime wie Seyran Ates oder Hirsi Ali ohne Kopftuch rum? Oder Shirin Ebadi, zumindest im Westen(!) ?
Eine Frau trägt ihre Burka nicht aus “Überzeugung”, sondern weil sie Angst hat, die eigene Fremdbestimmung zu realisieren.
Es ist leichter für sie, in die Depression zu gehen, als die Wut über die Fremdbestimmung (auch durch die eigene Mutter, die ihr diese “Tradition” als Mädchen aufgezwungen hat) zu fühlen.
Die Burka und das Kopftuch sind ein Symptom für eine Gesellschaft, die große Probleme mit der Sexualität hat.
Wir sind diesbezüglich im Westen wesentlich weiter. Daran ändert auch nichts, daß es bei uns Perversionen in die entgegengesetzte Richtung gibt (Pornographie). Die gibt es übrigens im Mittleren Osten ebenfalls zu Hauf. Gerade wegen der starken Repressionen.
7 Derangierte Einsichten - Burka, Nikab und Freiheit // Feb 18, 2010 at 11:32 am
[...] der Mädchenmannschaft wurde der angeblich »kluge, reflektierte und ausführliche Text« Burka oder Sexuelle Revolution? mit dem Untertitel Verschleiern oder lieber so nackt und schlank auftreten wie möglich? verlinkt. [...]
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